Ironman Germany European Championship 2008 Frankfurt
Der längste Tag im Jahr
Frankfurt/Main, Falkensein, 06.07.08
Nach zwei Jahren Pause vom Ironman-Zirkus zog es Volker Hopfmann von der SG Falkenstein wieder auf die Ultra-Distanz der Triathleten über 3,8km Schwimmen, 180km Radfahren und 42,125km Laufen.
In der Vorbereitungszeit konnten der Ironman 70.3 in St. Pölten und die Deutsche Meisterschaft über die Olympische Distanz mit eingebaut werden. In St. Pölten über die halbe Ironman-Distanz belegte er den 5. Platz der AK 55 mit 5:22:59h und bei den Deutschen Meisterschaften Platz 11 in 2:25:07h.
Hopfmann hatte sich zum zweiten mal Frankfurt ausgesucht, da es terminlich gut passte und die Veranstaltung als Europameisterschaft ausgeschrieben war. Weiter gehört der Ironman in Frankfurt zu einer der begehrtesten Veranstaltungen weltweit und ist immer in kürzester Zeit ausgebucht. Frankfurt kann Hochleistungssport mit Breitensport, Großstadtatmosphäre, ländliche Idylle, Ruhe auf ländlichen Straßenabschnitten mit lautstark feiernden Zuschauermassen inklusive Diskos und Bands in den Ortschaften und ‚Stimmungsnestern` hervorragend verbinden. Somit sind an diesen Wettkampftag ca. 500 000 Zuschauer auf den Beinen. Als krönender Abschluss des Rennes ist der Zieleinlauf am Römer Berg, der von keiner Veranstaltung übertroffen werden kann. Hier feiern 10-Tausende Zuschauer phantastisch jeden Triathleten der das Ziel erreicht. Auf diesen letzten 200m weiß jeder Athlet warum er so ein Rennen macht. Weiter ist die hervorragende Organisation, die keine Wünsche offen lässt und die ca. 4500 anrangierten Helfer ein No-Plus-Ultra der Veranstaltung.
Nach 8 Monaten spezieller Vorbereitungszeit war es am vergangenen Sonntag wieder soweit. 3.30 Uhr am frühen morgen klingelte der Wecker. Der Ablauf bis zum Start ist für jeden ein immer wiederkehrendes Ritual und wenn hier etwas nicht klappt oder Zeitverzug einsetzt wird es ganz schnell hektisch. Da viele Abläufe Zeit brauchen und der Start 7.00 Uhr das Fixum ist. Viele Dinge sind schon gerichtet und lassen sich auch nicht mehr beeinflussen.
5.00Uhr, eintreffen am Langener Waldsee 17 km außerhalb Frankfurts. Dutzende von Helfer und Polizei ordnen die schier endlose Autokarawane. Schnell die restliche Ausrüstung und Getränke fürs Radfahren geschnappt und ab geht es in die anderthalb Kilometer entfernten Wechselzone.
Jetzt beginnt sich dieses mulmige Gefühl breit zu machen, beim Anblick der fast schon alle anwesenden 2300 Triathleten und Zuschauer. Ist alles an Ort und Stelle, nichts vergessen, hast du auch genug und richtig trainiert? Nun geht alles recht schnell. Verabschiedung von Monika, ein Küsschen, Foto, noch ein Paar Hände gedrückt und ab zum Check-In. Um die Unruhe in den Griff zu bekommen, hilft nur eins, warm machen. Ich ziehe mir den Triathloneinteiler und die Laufschuhe an und laufe mich 15 min ein. Dabei werde ich ruhiger, da ich mich sehr gut fühle.
6.30Uhr, jetzt wird es Zeit in den Neo zu kommen, um sich noch ein wenig einzuschwimmen. 6.40 Uhr ich drängle mich durch die Massen, um in das Wasser zu kommen, letzter Aufruf für die Profis und 300 Altersklassen Triathleten, die 6.45Uhr starten.
Den Startschuss höre ich schon nur noch aus der Ferne. Nach 10 Minuten beginnt sich der Einschwimmbereich mit den um 7.00Uhr startenden 2000 Triathleten restlichen zu füllen. Jetzt wird es langsam eng. Wo ist der richtige Platz um nicht so viel Prügel zu bekommen und schnell einen Rhythmus beim Schwimmen, zu finden? Ich entschließe mich fast rechts außen zu schwimmen. Noch 5 Minuten. Ich starte den Pulsmesser und warte. Die Helfer ordnen noch das Starterfeld, damit alle über die Startlinie schwimmen. 30 Sekunden bis zum Start. Plötzlich Kanonendonner und 4000 Arme wirbeln auf engsten Raum durch das Wasser. Was für ein Gefühl hier gut dabei zu sein! Nach 1 bis 2 Minuten komme ich frei und kann mir meine Linie suchen. Bloß nicht zu schnell angehen, 3,8 km sind lang. Nach 800 m die erste Wendemarke der ersten Runde. Ich habe mein Tempo gefunden und fühle mich recht wohl und das Feld hat sich einigermaßen geordnet und ich merke, wie ich nach vorn schwimmen kann. Um die nächste Wendemarke herum geht es noch besser und ich kann schon ab und zu den Ausstieg der ersten Runde erkennen. Nach weiteren 10min geht es mit einem kurzen Landgang durch Tausende Zuschauer zur Runde Zwei, die nur 1,7km lang ist. Nach 1:11:12h sind die 3,8km geschafft und ich verlasse das Wasser. Der kurze 16%-ige Anstieg zur Wechselzone treibt den Puls noch 20 Schläge höher. Aber bei der phantastischen Stimmung merke ich das nicht.
Jetzt muss alles schnell gehen, denn wenn die Handgriffe nicht passen sind schnell ein paar Minuten verloren, die einen am Ende fehlen können. Nach 5:31min sitze ich auf dem Rad und kann die 180 km in Angriff nehmen. Jetzt erst einmal den Puls runter bringen sonst ist ein gutes Durchkommen schon beim Radfahren verbaut. Ich merke schnell, dass meine Verfassung bestens ist und ich nicht nur auf die Pulsuhr schauen darf sondern auch nach Gefühl fahren muss, denn die ersten 30km in 50min, auf 180 km, das ist zu schnell für mich. Das Vorhaben gelingt nur langsam, da die Zuschauer durch die vielen Ortschaften Toure de France Stimmung erzeugen bei der man einfach nur in die Pedale tritt.
Die Anstiege ‚The Beast’ in Bergen Enkheim, ‚The Hell’ hinter Bischofsheim, der ‚Hühnerberg’, The Healt in Bad Nauheim und der ‚Heartbreak Hill’ in Bad Vilbel erinnerten alle Radfahrer daran, dass auf den beiden Runden auch 1000 Höhenmeter an Anstiegen zu meistern sind. Nach 2:40h war die erste Runde geschafft. Auf der zweiten Runde konnte ich das Tempo gut halten und stieg nach 5:31:27h vom Rad. Das war mein bester Radsplitt, den ich bisher gefahren bin.
Der Wechsel ging schnell und nach 3:18min begann der Marathon, 4 Runden a 10,5km. Hier sind die ersten Kilometer die Entscheidenden. Alle wissen es aber alle lassen sich von den Zuschauern treiben und laufen zu schnell den Marathon an. Ich kontrollierte die 1000m Zeiten (5:20min) und versuchte auf einen Schnitt von 6min/km zu kommen. Das klingt langsam ist aber für 42km am Stück schon nicht schlecht, vor allen bei einen Ironman wäre es eine Laufzeit von 4:15h bis 4:20h.
Der Rundkurs verläuft an beiden Seiten des Mains.
Alle 1,5km stehen Verpflegungsstationen an denen sich die Athleten erfrischen können. Musik, Moderatoren und Zuschauer feuern die Läufer ständig an. Jetzt heißt es, sich konzentrieren und locker bleiben. Die ersten Schmerzen im linken Vorfuß machen sich nach 15 km bemerkbar aber es wird nicht schlimmer. Nur nicht daran denken, denn ein Marathon schmerzt eben, das ist so. Die Zeit vergeht recht schnell regelmäßig etwas trinken und ein Gel unterstützen den Stoffwechsel. Nach 26km werde ich langsamer aber ich zwinge mich nicht zu gehen. Dann ist die 3. Runde geschafft. Die Anfeuerungsrufe beim Rundendurchlauf beschleunigen wieder den Schritt und ein paar Kilometer weiter läuft es wieder besser. Ab dem letzten Kontrollpunkt, ca. 4km vorm Ziel, wird es wieder richtig gut und ich freue mich schon auf das Ziel. Endlich kann ich in Richtung Ziel abbiegen. Ich schaue auf die Uhr und sehe, dass ich fast im Plan fürs Laufen liege.
Jetzt wird es richtig laut. Eine Woge von tobenden Zuschauern, Musik und anfeuernden Moderatorensprüchen spülen mich förmlich durch den engen Zieleinlauf zwischen die Tribünen. Ich lauf langsamer um die letzen 50 m zu genießen. Einfach nur phantastisch.
Mit der erreichten Zeit von 11:26:46h bin ich äußerst zufrieden. Das ist eine Verbesserung meiner Bestzeit von einer Stunde bei meinen 9. Ironman und bedeutet Rang 11 in der AK 55-59 bei den Europameisterschaften.
Sieger wurde Chris MacCormack (AUS) in 7:59:55h und Chrissie Wellington (GBR) 8:51:24h mit neue Streckenrekorden.
Noch etwas Statistik. Von 2268 Startern finishten 2144 aus 28 Nationen. Älteste Frau war 63 Jahre und der älteste Mann war 71 Jahre. Da passt nur: „Alter schütz vor Leistung nicht!“
Einen besonderen Dank geht an die Familiemitglieder, Mitarbeiter und Freude die mich in der Vorbereitung bis ins Ziel unterstützten.
Jetzt ist erst einmal Regeneration angesagt bevor der Saisonabschluss, die Sachsenmeisterschaft über die Mitteldistanz, in Hoyerswerda vorbereitet wird. Weiter müssen die Deutschen Meisterschaften im Langduathlon in Falkenstein am 14.09. vorbereitet werde.
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